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#16/25 Der Herbst der Reformen
Nov 27, 2025
Ich nehme die jetzt beginnende “Giving Season” zum Anlass, eine Reihe von Reformen zu beschreiben, die zusätzliche Milliarden für das Gemeinwohl mobilisieren würden. Ganz ohne Koalitionsstreit.
Liebe Lesende,
Friedrich Merz hat einen “Herbst der Reformen” angekündigt. Der ist nun fast vorbei. Eher ohne Reformen.
Ich nehme die jetzt beginnende “Giving Season” zum Anlass, eine Reihe von Reformen zu beschreiben, die zusätzliche Milliarden für das Gemeinwohl mobilisieren würden. Ganz ohne Koalitionsstreit. Und ohne zusätzliche Schulden. Als Rahmen dafür schwebt mir ein Vermögensgipfel oder noch besser eine Art “Generosity Commission” vor, wie es sie vor einigen Jahren in den USA gab. In Gesprächen erlebe ich dafür viel Unterstützung, vielleicht gibt es tatsächlich bald das berühmte Gelegenheitsfenster in der Politik. Mehr dazu ganz unten.
Auf die Politik verlassen sollten sich soziale Organisationen aktuell nicht. 2025 war das Jahr der Kürzungen und der kurzfristigen Absage vieler bereits zugesagter Förderungen, besonders für Demokratie- und Kulturprojekte (von dem Rückzug der USA und anderer Länder aus der Entwicklungsarbeit ganz zu schweigen). Jetzt sollte der Moment sein, die Zivilgesellschaft unabhängiger vom Staat zu finanzieren. Denn es wird noch dunkler, wenn man die Hate List von 215 Organisationen in einer aktuellen Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion ansieht. Ich sehe es als Ehre an, darin genannt zu sein.
Meine Anregung für die Geschenkeplanung: Einfach Spenden schenken. Nicht als Gutschein an eine bestimmte Organisation (das fühlt sich irgendwie nicht wie ein Geschenk an), sondern als Startguthaben in einem eigenen, steuerfreien Stiftungskonto. Damit kann die/der Beschenkte selbst entscheiden.
Und wer das Geld dafür nicht hat, kann sich gern mit mir in Verbindung setzen. Ich habe ein kleines Budget für Menschen, die anderen das Geben schenken wollen.
Euer Felix
PS: Im nächsten Newsletter teile ich meine Weihnachtsliste von Organisationen, die mich in diesem Jahr besonders beeindruckt haben.
Eine Zahl, die im Kopf bleibt: 1 (Pixel)
Mit einem Pixel für $1.000 und einem kaum endenden Balken für das Vermögen von Jeff Bezos visualisiert eine Webseite die Vermögensverhältnisse. Faszinierend. Es gibt viele Varianten dieser Darstellung. In meinem Buch habe ich eine Menschenkette vom Brandenburger Tor nach Westen vorgeschlagen. Bei €1.000 pro Meter stehen die meisten direkt am (oder bei Schulden noch vor dem) Tor, die reichsten kommen auf der anderen Seite der Welt wieder raus. Das erste Problem damit: Die Daten sind irreführend. Manchmal frei erfunden, manchmal geschätzt, und selbst wo sie sich aus dem Marktwert von Unternehmen ergeben, sind sie ja nicht flüssig, sind nicht vergleichbar.
Als zweites Problem erlebe ich aber, dass die typische Reaktion darauf ist: "Naja, dann bin ich ja nicht reich. Die anderen sollen mal anfangen." Diese Darstellungen können zur Ohnmacht führen. Neulich in Zürich habe ich das erlebt. In einem Raum mit vielen Vermögensnachfolger*innen.
Ich hätte gern eine Darstellung gehabt, die den Mechanismus in die andere Richtung zeigt. Man kann mit einem Pixel an Engagement auch leicht ein Vielfaches bewegen. Vielleicht kann mir jemand bei der Visualisierung helfen?
Eine Person, die mich inspiriert: Mr. Beast
James Stephen „Jimmy“ Donaldson, 27, aus Wichita und aufgewachsen in North Carolina, ist vermutlich der größte Influencer der Gebens. Seine ersten Videos zeigten einfache, direkte Gesten: $1.000-Trinkgelder, bezahlte Mieten, spontane Geldgeschenke an Fremde. Daraus entstand ein globales Format. Heute erreicht er mit rund 450 Millionen Abos und über 100 Milliarden Videoaufrufen eine einzigartige Reichweite. Seine Projekte wie Team Trees (über $20 Mio.) und Team Seas (über $30 Mio.) zeigen, wie digitale Communities aus wenig enorm viel machen können. Mit Marken wie Feastables und MrBeast Burger skaliert er das Prinzip weiter. So wurde Geben für die YouTube-Generation zu etwas, das man nicht versteckt, sondern gestaltet.
Eine Idee zum Weiterdenken: Eine Großzügigkeits-Kommission In der Koalition tobt der Rentenstreit. Und der nächste wird die Erbschaftssteuer sein. Dazu habe ich ja schon einiges geschrieben. Ich bin überzeugt: Wir brauchen eine gerechtere Besteuerung. Aber das wird dauern.
Viele in unserer Gesellschaft währenddessen bereit, jetzt mehr zum Gemeinwohl beizutragen. Könnte sich die Koalition nicht auf das Ziel einigen, Deutschland zum besten Standort für Vermögen zu machen, die die Welt verbessern wollen?
Fast zeitgleich mit unserem privaten Dialog Neues Geben (aus dem inzwischen neben bcause u.a. auch der Club Neues Geben hervorgegangen ist) startete vor fünf Jahren in den USA eine sogenannte Generosity Commission. Ebenfalls auf private Initiative. Ebenfalls ausgelöst durch den Rückgang im Geben. Die Empfehlungen reimen sich auf das, was wir auch in Deutschland gut gebrauchen könnten:
Daten zu Spenden und Engagement verbessern
Digitale Angebote für Mikro-Geben ausbauen
Freiwilligenarbeit systematisch fördern
Vertrauen in Non-Profits erhöhen
Philanthropie inklusiver gestalten
Bildung zu Großzügigkeit in Schulen verankern
Kooperation zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ausbauen
Deshalb füge ich meinen zehn Reformvorschlägen noch eine erste hinzu: Eine Großzügigkeits-Kommission in Deutschland. Gern mit Mandat aus der Politik, aber wenn nötig auch ohne.
Hier meine anderen zehn Vorschläge. Mehr dazu in meinem Buch “Der gefesselte Wohlstand”, demnächst auf meinen Kanälen - oder gern dann in der Großzügigkeits-Kommission ;-)
Ausschüttungsgebot für Stiftungen
Umwandlung von Ewigkeits- in Verbrauchsvermögen
Umkehrung des Steuervorteils für zeitnahe Spenden
Durchführungsverordnung zu Mission Related Investments
Ermöglichung von Stiften auf Zeit
Demokratisierung von Impact Investing
Barrierefreiheit für grenzüberschreitende Spenden
Rechtssicherheit für Aktienspenden
Einrichtung eines öffentlich-philanthropischen Bürgerfonds
Eingrenzung irreführender Steuerkanzleien


